WAS SAGT DIE WISSENSCHAFT ÜBER SPIRITUALITÄT?

Spiritualität bedeutet für jeden etwas anderes. Manche sehen darin eine Verbindung zu etwas, das größer ist als sie selbst, wie die Natur oder Gott. Für andere geht es tatsächlich um Bewusstsein oder inneren Frieden. Aber was sagt die Wissenschaft eigentlich über Spiritualität? In diesem Artikel gehen wir dieser Frage auf den Grund!
Was ist Spiritualität nach Ansicht der Wissenschaft?
Es ist schwierig, Spiritualität mit einer einzigen Bedeutung zu definieren. Viele Wissenschaftler verwenden daher eine weit gefasste Beschreibung. Das Wörterbuch der American Psychological Association beschreibt Spiritualität als "Eine Sorge oder Sensibilität für Angelegenheiten des Geistes oder der Seele, insbesondere im Gegensatz zu materiellen Angelegenheiten. Genauer gesagt, ein Interesse an Gott und eine Sensibilität für religiöse Erfahrungen, die die Ausübung einer bestimmten Religion einschließen, aber auch ohne diese Praxis bestehen können".
Spiritualität wird daher oft von Religion unterschieden. Während Religion in der Regel an Dogmen, Rituale und organisierte Systeme (wie Kirchen oder Moscheen) gebunden ist, ist Spiritualität persönlicher und subjektiver. Sie kann zum Beispiel das Gefühl der Verbundenheit mit der Natur, Meditation, Achtsamkeit oder die Suche nach dem Sinn des Lebens beinhalten.
Was sagen wissenschaftliche Studien über spirituelle Praktiken?
Spiritualität wird zunehmend von Wissenschaftlern untersucht, und sie finden immer mehr Beweise dafür, dass sich bestimmte spirituelle Praktiken positiv auf die Gesundheit auswirken können. Hier sind einige Beispiele:
1. Bessere geistige Gesundheit
Laut der Harvard T.H. Chan School of Public Health ist es eine gute Idee, Spiritualität im Gesundheitswesen stärker zu nutzen, auch weil sie sich positiv auf die psychische Gesundheit der Patienten auswirken kann. Andere Studien zeigen auch, dass spirituell orientierte Menschen im Durchschnitt ein höheres Maß an Lebenszufriedenheit, Hoffnung und psychologischem Wohlbefinden erfahren. Diese Studie von Harold G. Koenig aus dem Jahr 2012 ist ein gutes Beispiel dafür. Koenig untersuchte viele Studien zu diesem Thema und fand heraus, dass Menschen, die religiös oder spirituell sind, oft eine bessere psychische Gesundheit haben als andere.
2. Weniger Stress und mehr Entspannung
Inez Tuck, Renee Alleyne und Wantana Thinganjana untersuchten im Jahr 2006 die Auswirkungen von Spiritualität auf Stress. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Stressempfinden der 27 Teilnehmer deutlich sank. Spirituelle Praktiken erwiesen sich also als wirksam bei der Stressreduzierung in dieser Gruppe von Erwachsenen. Dazu können unter anderem auch Meditationen beitragen:
3. Kann beim Entzug helfen
Wenn du zum Beispiel alkohol- oder kokainsüchtig bist, kann Spiritualität laut der Wissenschaft möglicherweise beim Entzug helfen. Das kannst du in dieser Studie von Beraldo et al. aus dem Jahr 2019 nachlesen . Bei einigen Süchtigen haben spirituelle Praktiken wahrscheinlich keine Auswirkungen, zum Beispiel bei Cannabis- und Crack-Konsumenten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen auch, dass Spiritualität süchtigen Minderheiten tendenziell besser hilft.
Die Kritik der Wissenschaft an der Spiritualität
Einige Studien zeigen also, dass Spiritualität eine positive Wirkung auf Konsumenten haben kann. Die Wissenschaftler selbst stehen dem jedoch nicht immer positiv gegenüber. Sie äußern unter anderem die folgenden Kritikpunkte
- Placebo-Effekt: Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Wirkungen der Spiritualität zum Teil auf die Erwartungen der Menschen, auf Rituale und auf die Unterstützung durch die Gruppe zurückzuführen sein könnten. Sie vermuten daher, dass spirituelle Praktiken möglicherweise durch den Placebo-Effekt wirken.
- Spiritueller Kampf: Nicht alle Menschen, die eine spirituelle Praxis ausprobieren, reagieren gut darauf. Menschen, die mit Glaubenszweifeln, Schuldgefühlen oder spirituellen Krisen zu kämpfen haben, können dieser wissenschaftlichen Studie zufolge sogar eher an Depressionen und Ängsten leiden.
- Methodische Probleme: Spiritualität ist leider schwer zu definieren und, wenn möglich, noch schwerer zu messen. Was für den einen eine tiefe spirituelle Erfahrung ist, ist für den anderen eine subjektive Erfahrung ohne eine transzendente Komponente. Das macht es für Wissenschaftler schwierig, zu definieren, was Spiritualität ist und welchen Nutzen sie bringt.
Die Wissenschaft erkennt zunehmend den Einfluss der Spiritualität auf das menschliche Funktionieren an. Dabei geht es nicht unbedingt um den Glauben an Gott oder Religion, sondern um die Erfahrung von Verbundenheit, Sinn und innerem Frieden. Obwohl es unter Wissenschaftlern noch viele Fragen gibt, ist klar, dass Spiritualität ein legitimes und wertvolles Forschungsgebiet in der Psychologie, Neurologie und Medizin ist. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Thema mehr und mehr erforscht wird und die Wissenschaftler irgendwann in der Lage sein werden, Spiritualität richtig zu messen.

Wissenschaft:
Die Rolle von Religion und Spiritualität für die psychische Gesundheit
Veröffentlicht in Current Opinion in Psychiatry, 2014.
In diesem Übersichtsartikel wird erörtert, wie Religion und Spiritualität sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben können. Er unterstreicht die Bedeutung von positiver religiöser Bewältigung, sozialer Unterstützung und Überzeugungen, warnt aber auch vor möglichen negativen Auswirkungen wie negativer religiöser Bewältigung und Fehlkommunikation. Der Artikel unterstreicht die Notwendigkeit, dass Gesundheitsdienstleister den spirituellen Bedürfnissen von Patienten mit psychischen Erkrankungen Aufmerksamkeit schenken.
Den vollständigen Artikel können Sie auf PubMed unter dem folgenden Link lesen: Die Rolle von Religion und Spiritualität in der psychischen Gesundheit
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der Information und Inspiration. Obwohl die positiven Auswirkungen von Spiritualität wissenschaftlich belegt sind, ist Spiritualität kein Ersatz für medizinische oder psychologische Hilfe. Wenden Sie sich bei ernsthaften Beschwerden immer an einen Arzt, Psychologen oder eine andere Fachkraft. Spirituelle Praktiken können unterstützend wirken, sind aber kein Allheilmittel. Die Wirkungen können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein.









